Unter Jungs – woman@WOGRA

Als ich mein Einstellungsgespräch mit unserem Geschäftsführer Wolfgang Graßhof führte, meinte er am Ende: „Du sollest dir darüber im Klaren sein, dass du hier zur Zeit dann die einzige Frau im Laden bist …“.

Prima! Damit waren meine ersten beiden Ziele gesetzt: Den Männern zeigen, dass ich was drauf hab und … ein wenig femininen Geist in die Bude bringen.

Kommen wir zum ersten Ziel – den Männern zeigen, dass ich was drauf hab.

Man mag es bei dem allseits bekannten Fachkräftemangel in der Informatik nicht glauben, aber es ist so: Dass eine Frau technisch denken kann und sich in der Welt der IT wohlfühlt und mitreden kann ist zum einen leider noch selten, zum anderen aber auch oft nicht erwartet. Bereits im Studium habe ich die Erfahrung gemacht, dass uns schon mal weniger zugetraut wird. Klar, gibt es auch Ausnahmen, denen das Geschlecht egal ist – sowohl in der Bildung als auch in der Wirtschaft, aber es ist nun mal so: Wenn ein Mann als neuer Programmierer in ein Team kommt, dann kann er programmieren, wenn eine Frau als neue Programmiererin in ein Team kommt, dann schauen wir mal, wie gut sie programmieren kann – scheint eine ziemlich verbreitete Denkweise zu sein.

Aber zurück zu meinem Ziel. Schwer motiviert bin ich hier also gestartet, kampfbereit und überzeugt von meinen Kenntnissen und Fähigkeiten – und wurde entwaffnet, denn es gab keinen Kampf. Ich war von Anfang an dabei – und zwar richtig dabei. Ernst genommen als Team-Mitglied und Informatikerin. Und wissen Sie was? Das fühlte sich verdammt gut an.

Bleibt noch das zweite Ziel – ein wenig femininen Geist in die Bude bringen.

Da bin ich gerade dran. Die Jungs freuen sich über regelmäßigen Kuchen und die Kommunikationsfreudigkeit hat auch zugenommen. Aber es ist noch ein langer Weg bis ans Ziel: Blumen, pinkes Klopapier etc. …

Nein, das pinke Klopapier tu ich den Kollegen dann doch nicht an, aber entgegen aller Gender-Bestrebungen muss ich hier nun mal auch sagen: Ich bin eine Frau und das ist gut so – ich werde mich sicher nicht in meinem Berufsleben verstellen, damit ich „auf einer Ebene“ wie die Männer kämpfe. Wenn wir alle dann „Neutrinos“ werden und alle geschlechtsspezifischen Unterschiede aus dem Weg geräumt sind – ist es dann nicht auch irgendwie langweilig?

In diesem Sinne – Pinke Grüße,

Ihre Melanie Dirksen