Team: Wolfgang Graßhof Geschäftsführer

WOGRA im achten Jahr – Bestandsaufnahme mit CEO Wolfgang Graßhof

Hallo Wolfgang, schön das Du Dir Zeit für dieses Interview genommen hast.

WG:
Gerne.

WOGRA ist mittlerweile im 8. Jahr seiner Existenz – wie lautet dein Zwischenfazit?

WG:
Nun, in den bisherigen 7 Jahren gab es viele erfolgreiche Jahre, aber auch schwierigere Zeiten. Aber die haben wir auch überstanden und sind immer gestärkt daraus hervorgegangen und haben gelernt, ähnliche Situationen zukünftig zu vermeiden. Aber es überwiegen natürlich die Erfolge und daran wollen wir anknüpfen.

Gibt es Ereignisse in diesen Jahren, an die du dich besonders gerne erinnerst?

WG:
Ja natürlich die gibt es, es sind aber keine Feste, die wir zusammen gefeiert haben oder andere Firmenevents, die natürlich auch immer sehr viel Spaß machen. Es sind schwierige Projektsituationen, die wir zu Gunsten unserer Kunden gemeistert haben.

Da war zum Beispiel dieses Sport Quiz, dass wir übernommen und innerhalb von vier Tagen mit einigen Nachtschichten zum Laufen gebracht haben.

Auch wenn ich mit Anwendern unserer Software spreche und diese tatsächlich eine Arbeitserleichterung oder einen spürbaren Fortschritt feststellen, macht mich das stolz.

Ein Sport Quiz in 4 Tagen? Was war denn das für ein Projekt?

WG:
Ja, das war eine spannende Sache. Ein befreundetes Social Media Unternehmen hat für einen Kunden bei einem Softwareentwickler ein Quiz mit Duell Modus beauftragt. Der Kunde wollte dieses Quiz nun als Facebook-App einsetzen, aber der Entwickler brachte nur den Einzelspielermodus zustande und der Duellmodus und die Facebook-Integration fehlten. Ich wurde dann gefragt, ob wir innerhalb kürzester Zeit dieses Projekt fertigstellen können.

Ich habe dann gefragt, wie weit das Projekt ist und welche Technologien eingesetzt wurden. Es hieß dann, ja der Einzelspielermodus läuft soweit, aber der Rest funktioniert nicht. Die Technologien konnte mir keiner genau nennen, aber man vermutete, dass dies PHP mit einer MySQL DB ist. Ich habe daraufhin gesagt: Schickt uns den Code mal zu und wir schauen, was wir machen können.

Es hat sich dann herausgestellt, dass es sich um eine NodeJS Anwendung mit Mongo DB als Backend handelt. Bis dahin waren das Technologien, in denen wir null Projekterfahrung hatten. Da der Kunde zu einem Termin eingeladen hat und eine Lösung innerhalb der nächsten 4 Arbeitstage forderte, habe ich mich mit Stefan Fenn, unserem Softwraearchitekten, zusammen gesetzt um herauszufinden, was ist zu tun und was brauchen wir um es in 4 Tagen umzusetzen. Als wir dann eine Liste hatten und die Anzahl an Entwicklern herausgefunden hatten, die für eine termingerechte Umsetzung notwendig waren, haben wir alle Mitarbeiter zusammengetrommelt. Wir wollten herausfinden, ob wir überhaupt genug Leute zusammenbekommen um die Wochenendarbeit und Nachtschichten duchführen zu können. Dieser Moment war der einer der Momente, die mich stolz auf unsere Firma machen, denn bis auf einen (der aber Verpflichtungen hatte) haben alle zugesagt in dem Projekt mitzuhelfen. Dann haben wir der Social Media Agentur gesagt, ja wir machen es.

Und wie habt ihr es geschafft?

WG:
Ich habe ein Kanban Board gebaut und die Aufgaben, die wir hatten, möglichst klein gestückelt. So waren wir in der Lage, möglichst viele Themen gleichzeitig anzugehen und haben auf dem Board recht schnell erste Fortschritte festststellen können. Stefan Fenn hat die schwierigen technischen Themen analysiert und dann das gesamte Projektteam informiert, wie die Problemstellungen am effektivsten zu lösen sind. Die härtesten Themen hat er selbst übernommen. Und so haben wir Freitag angefangen und bis Mittwoch Nacht immer bis 0 Uhr gearbeitet. Am Donnerstag musste es laufen.

Und lief es?

WG:
Mittwoch um kurz vor 0 Uhr stellte wir die Software online. Sie hatte noch den einen oder anderen Schönheitsfehler, den wir nachgebessert haben, aber die Software lief.

Ist das alles von Anfang bis Ende rund gelaufen?

WG:
Nein ,kann es auch gar nicht, wenn man komplett neue Technologien hat und eine Quellcode bekommt, in dem Dateien bis zu 11.000 Zeilen Code hatten. Dazu dann noch der enge Termindruck – da kann es nicht reibungslos laufen. Außerdem macht man selbst Fehler, wenn es bis tief in die Nacht geht. Das kann man mal eine Woche machen, aber länger macht diese Arbeitsweise keinen Sinn.

War der Endkunde zufrieden?

WG:
Ja, war er und das Quiz wurde einige tausend mal im Internet gespielt. Für einen regionalen Anbieter sehr ordentlich.

Und was war dann das besondere Erlebnis bei diesem Projekt?

WG:
Es war das erste Projekt, in dem wir als Team sehr extremen Einsatz zeigen mussten und eine hohe Belastung hatten. Das gesamte Team hat sich diesem Projekt verschrieben und wir haben nicht nur Zusammenhalt sondern auch bis zum Ende in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahrt. Auch wenn ich so ein Projekt nicht unbedingt wieder haben muss, haben wir bewiesen, wie gut wir zusammen arbeiten können, und wie außergewöhnlich gut dieses Team funktioniert.

Gab es auch mal Projekte, die nicht so liefen?

WG:
Ja, es gab Projekte die wir etwas unterschätzt haben, oder wo Risiken aufgetaucht sind, die wir zu Beginn nicht gesehen haben. Aber das Wichtige ist, dass wir die Projekte zur Zufriedenheit unserer Kunden abgeschlossen haben. Unsere Priorität liegt immer darauf, dass wir das Projekt mit einem zufriedenen Kunden hinterlassen, der uns auch zukünftig wieder in der Projektvergabe berücksichtigt.

Wichtig ist, aus Fehlern zu lernen und es das nächste Mal besser zu machen.

Wie bist Du denn mit der Entwicklung des Unternehmens zufrieden?

WG:
Wenn man bedenkt, dass ich 2008 als Einzelkämpfer angefangen haben und wir mittlerweile 14 Mitarbeiter sind, ist das schon ziemlich gut. Vor allem im hart umkämpften Markt der Softwareentwicklung. Auch von der Kundenseite haben wir uns schön entwickelt. Zu unseren Kunden gehören 3 der 10 größten Versicherungen Deutschlands. Mittlerweile zählen auch einige Mittelständler zu unseren Kunden.

In welche Richtung gehen denn die aktuellen Projekte?

WG:
Die neuen Projekte sind zum Großteil Web- oder Mobile Portale, die es ermöglichen, sehr enge Kundenbindungen aufzubauen. Nach wie vor sind wir auch noch sehr stark bei der Verarbeitung von großen Datenmengen. Was zumindest bei uns überhaupt nicht mehr gefragt ist sind Desktopanwendungen.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen?

WG:
Große Zugriffszahlen und schnelle Antwortzeiten sowie die Datenhaltung von großen Datenmengen. Für eine große Versicherung haben wir eine Web Applikation entwickelt, die 140.000 Zugriffe im Monat hat. Da muss das Antwortverhalten passen, sonst nutzt diese Anwendung keiner mehr. Wir haben dort eine alte Software abgelöst und das Antwortverhalten von 1,5 Sekunden auf unter 100 Millisekunden optimiert. Eine andere Anwendung, die sich gerade in der Entwicklung befindet, ist darauf ausgelegt, dass sie Daten von bis zu 10 Millionen Anwendern sicher speichern kann. Das ist zwar noch nicht Facebook, aber schon eine Hausnummer.

Wie hat sich WOGRA im Laufe der 7 Jahre verändert?

WG:
Wir haben uns sehr stark verändert. Am Anfang war es eine One-Man Show und ich konnte mich voll auf meine Projekte konzentrieren, der Verwaltungsaufwand außenherum war gering. Mittlerweile sind wir 14 Mitarbeiter und alles muss möglichst reibungslos funktionieren, Von der Gehaltsabrechnung bis zur Rechnungsstellung über das Controlling des Unternehmens und der Projekte  bis hin zu Marketing & Vertrieb. Das führen von Mitarbeitern war zwar in den letzten Jahren auch immer ein Teil meiner Tätigkeit, aber jetzt ist es ein wesentlicher Aspekt.

Wie führt denn ein Wolfgang Graßhof?

WG:
Nach Möglichkeit gar nicht. Wir haben Anfang letzten Jahres viel diskutiert und unsere wichtigen Unternehmenswerte definiert. Diese sind recht umfangreich und wenn es eine Entscheidung zu fällen gibt, sollte dort bereits die Antwort zu finden sein. Ich will eigentlich nur dann entscheiden müssen, wenn kein eindeutiges Zuordnen möglich ist. Die nächste Führungsaufgabe ist es, mit jedem Mitarbeiter einen Plan zu entwickeln, wie er sich weiterentwickeln will und ihn dort bestmöglich zu unterstützen. Was ich außerdem tue ist, dass ich sicherstelle, dass jeder Mitarbeiter das bekommt was er benötigt um möglichst effizient zu arbeiten. Für jedes einzelnen Projekt gibt es einen Verantwortlichen, der innerhalb der Budgetgrenzen alle Freiheiten hat um das Projekt erfolgreich abzuschließen. Ich trete dort nur in Erscheinung, wenn das Projektteam meine Unterstützung benötigt oder wenn ich im Controlling merke, dass es in einem Projekt Schwierigkeiten geben könnte. Mein Ziel ist es, mich ersetzlich zu machen, denn wenn mir was passieren sollte, darf dadurch das Unternehmen nicht gefährdet werden.

Passiert es dann nicht, dass Du etwas anders gemacht hättest als deine Mitarbeiter?

WG:
Das passiert öfters. Aber dann überlege ich mir, welche negativen Konsequenzen das andere Vorgehen haben könnte und in den meisten Fällen ist das vernachlässigbar. Dann schreite ich auch nicht ein und lasse die Kollegen diese Erfahrung machen. Bei Entscheidungen, bei denen ich starke Bauchschmerzen habe, spreche ich mit der Person und frage, wieso diese Entscheidung so gefällt wurde, bzw. er/sie diese so fällen würde. Ich bin ja nicht allwissend und habe vielleicht etwas übersehen. Wenn ich dann immer noch nicht der Meinung bin, dass dieser Weg gut für uns ist, dann mache ich von meinem Vetorecht Gebrauch. Aber diese Situation kommt so gut wie nie vor.

Und das funktioniert?

WG:
Es müssen schon ein paar Vorraussetzungen erfüllt sein, dass dies funktionieren kann. Zum einen muss man Mitarbeiter haben, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen und verantwortungsvoll handeln. Bei uns ist es so, dass nicht alle diese Verantwortung übernehmen wollen, was vollkommen in Ordnung ist, aber das zweite Kriterium muss bei uns jeder erfüllen. Um jemand die Chance zu geben Entscheidungen selbstständig zu treffen, muss er auch alle Möglichkeiten haben um dies fundiert tun zu können, deshalb gibt es bei uns im Unternehmen maximale Transparenz. Nur wenn es um persönliche Mitarbeiterdaten geht hört es mit der Transparenz auf.

Was macht denn die WOGRA für Kunden besonders?

WG:
Wir haben mit WMS eine Entwicklungsplattform, mit der wir hoch effizient qualitativ hochwertige Software entwickeln können und zwar für alle Umgebungen, sei es das Web, für Mobile Devices, für Desktop Rechner wie auch für Embedded Devices. Wir benötigen ungefähr die Hälfte der Zeit für die Entwicklung im Vergleich zu herkömmlichen Entwicklungsmethoden. Das versetzt uns in die Lage sehr schnell und agil für unsere Kunden neue Software zu entwickeln. Durch die Modellierung und Codegenerierung ist auch die Fehlerhäufigkeit wesentlich geringer ist. Das heißt, der Kunde reduziert auch seinen Testaufwand erheblich. Wenn man eine Softwarelösung wesentlich schneller zur Verfügung stellen kann, amortisiert sie sich auch schneller.

Ist die Entwicklung dann auch billiger?

WG:
Wenn man davon ausgeht, dass die Entwicklungsgeschwindigkeit halbiert wird, spart sich der Kunde sicherlich einiges im Vergleich zur herkömmlichen Entwicklungsweise.

Ist die Technik das einzige, was WOGRA besonders macht?

WG:
Nein, auch unsere Vorgehensweise ist anders. Wir arbeiten agil, sind aber nicht auf den Hype-Zug „SCRUM“ aufgesprungen, sondern haben mit Feature Driven Development eine Vorgehensweise für uns entdeckt, die Kunden, die noch stark aus dem klassischen Projektmanagement kommen, viel besser abholt und mit den Vorzügen der agilen Softwareentwicklung verknüpft. Was uns glaube ich auch auszeichnet ist die Transparenz unserer Arbeit und unser wichtigster Unternehmenswert, dass ein Kunde der uns sein Vertrauen schenkt, diese Entscheidung niemals bereuen darf.

Kommen wir zum Thema Personalentwicklung, wie geht WOGRA dabei vor?

WG:
Nun, bei WOGRA gehen wir mittlerweile konsequent den Weg, Studenten und Praktikanten von der Hochschule und der Uni als Werkstudenten einzustellen und sie bereits früh in Projekten einzubinden. So erhalten sie neben der theoretischen Ausbildung auch praktische Erfahrung. Diesen Studenten bieten wir auch spannende Bachelor- und Masterarbeiten an und wollen sie auch danach an uns binden. So können wir unser Team kontinuierlich ausbauen. Wenn wir erfahrenere Mitarbeiter suchen, dann wollen wir immer jemanden finden, der entweder persönliche oder fachliche Stärken besitzt, die wir im Team noch nicht haben und uns weiterbringen. Ich hatte öfters schon das Glück, dass sich Leute bei WOGRA beworben haben, mit denen ich bereits vorher gearbeitet habe. Da weiß man was einen erwartet.

Vielen Dank für das Interview!

WG:
Sehr gerne!