Vergessene Welten – die ungenutzen Features einer Software

Nun bin ich mal gespannt: Wieviele von Ihnen kennen alle, wirklich ALLE Funktionen von Word? Und mit „Kennen“ meine ich nicht, dass Sie wissen, dass es diese Funktion theoretisch gibt, sondern wieviele von Ihnen haben alle Funktionen von Word schon genutzt? Oder von Outlook? Einige von Ihnen mögen nun zu Recht sagen: Was soll die Frage – dafür sind Word und Outlook doch gar nicht konzipiert, dass jeder – egal welche Branche, egal welcher Job – alles auch nutzen soll. Stimmt, doch leider stimmt das nicht nur bei den bekannten Software-Lösungen, die jeder kennt und auch eine sehenswerte Anzahl an Nutzern im Einsatz hat.

Schlechtes Requirements Engineering

Obwohl es mittlerweile sehr gute Branchenlösungen gibt, setzen viele Unternehmen weiterhin auf den Einsatz von Individual-Software. Sei es, um eine spezielle System-Architektur abzubilden, gesonderte Sicherheitsvorkehrungen zu berücksichtigen oder durch die Realisierung einer innovativen Idee die Marktposition zu sichern. Ob agil mit Scrum oder Kanban oder eher nach dem klassischen Wasserfall-Modell – bevor eine Software realisiert wird, muss man natürlich wissen, was sie tun soll. Um das herauszufinden werden im Requirements Engineering strukturiert die Features erfasst, die umgesetzt werden sollen. Aber auch nur, wenn derjenige, der als Ansprechpartner in der Domäne agiert, auch seine Domäne kennt. Wer nicht weiß, wer die Software nutzt und warum er die Software nutzen soll, steht einem guten Requirements Engineering im Weg – da hilft auch das beste und technisch versierteste Partner-Unternehmen bei der Applikations-Entwicklung nicht.

Gutes Requirements Engineering

Der Knackpunkt ist allerdings nicht nur der Ansprechpartner in der Domäne. Auch beim Dienstleister muss jemand einen Blick auf die Feature-Liste haben. Oft zieht das eine Feature ein anderes mit sich, das allerdings nicht beschrieben ist. Auch muss geprüft werden, was beim Auftreten von Systemfehlern geschehen soll. Sind Prozesse vollständig abgebildet? Sind die Nutzerrollen definiert und auf die Features abgebildet? Die technische Realisierung und Usability sind die eine Sache, aber wenn bereits im Vorfeld nicht alles durchdacht wurde, kann man bei der Implementierung und Gestaltung nichts mehr retten.

Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist

Na toll, das sagt uns die gute Frau erst jetzt. Wenn Ihnen gerade dieser Satz durch den Kopf geschwirrt ist, waren Sie wohl ein Opfer von schlechten Requirements Engineering und quälen sich durch das Ergebnis: eine Software, die an Unübersichtlichkeit kaum zu übertreffen ist und mit der keiner gerne arbeitet. Und jetzt? Da müssen wir ehrlich sein: Entweder Sie leiden weiter oder Sie gehen den Weg der Software-Modernisierung.

Nicht schon wieder eine neue Software!

Nein, nicht eine neue Software, sondern eine vernünftige, durchdachte Ablösung der alten. Sie haben in der leidvollen Zeit ja einiges gelernt: Nicht nur, was funktioniert hat und was nicht, sondern auch, wer was genutzt hat und warum etwas anderes nicht.

Eine Software neigt dann zu Unübersichtlichkeit, wenn zuviel drin ist. Bei einer Software-Modernisierung kann man zwar neue Features implementieren, sollte aber primär darauf schauen, welche der vorhandenen Features genutzt wurden, welche fehlerhaft sind und auch, welche Features vielleicht vor lauter Begeisterung und Übermut ihren Weg in die Software gefunden haben, aber dort schlichtweg nicht genutzt werden.

Vergessene Features braucht kein Mensch

Was nicht genutzt wird, muss nicht implementiert werden, muss nicht zur Fehleranalyse herhalten, kann einfach raus. Vergessene Features können aber auch Funktionen sein, die nur nicht den richtigen Nutzern angezeigt werden bzw. auch den falschen Nutzern. Ein Praktikant, der einer speziellen Fachabteilung zugewiesen wurde, muss nicht jedes Modul nutzen, das die Software bietet. Mit einem Rollenkonzept können solche Einschränkungen geschaffen werden, die zugleich auch die Applikation deutlich übersichtlicher machen.

Auf ins alte Neue!

Also schimpfen Sie bitte nicht länger über Ihre Software, sondern nutzen Sie Ihren Unmut und gehen Sie den Weg einer Software-Modernisierung um mehr Effektivität, Effizienz und auch Spaß bei der Arbeit genießen zu können.