Industrie 4.0 – Temporärer Hype oder zukunftsträchtige Evolution?

Spätestens seit dem Start der Hannover Messe am 13. April kommt kaum einer mehr am Begriff Industrie 4.0 vorbei. Während vorher sporadisch in den Medien darüber berichtet wurde und der Begriff zwar im Raum stand, jedoch nicht in aller Munde war, ist seit Anfang dieser Woche ein regelrechter Hype entfacht.

Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter und wen betrifft das überhaupt? Wer hat diesen Begriff geprägt, wer steckt dahinter, ist das nur eine neue „Spinnerei“ der IT-Industrie oder der Wirtschaft?

Letzteres lässt sich sehr schnell mit einem Nein beantworten, denn die Industrie 4.0 hat schon seit längerem Einzug in die industrielle Produktion gehalten und ist in Branchen wie der Automobil-Industrie kaum mehr wegzudenken. Vielleicht kommen Ihnen die Begriffe „Digitalisierung“ und „Internet der Dinge“ bekannt vor – das sind Prinzipien der Industrie 4.0.

Ja, aber was ist das nun, diese Industrie 4.0? Vereinfacht gesagt: die Unterstützung des Menschen am Arbeitsplatz durch Vernetzung von  Maschinen oder Produktionsanlagen zur Verbesserung des Monitorings, der Steuerung und Optimierung sowie Automatisierung von Arbeitsabläufen und Prozessen. Das klingt sehr allgemein, bietet aber einen äußerst großen Raum für die Steigerung der Wertschöpfungskette.

Die vorangegangenen drei industriellen Revolutionen (1. Mechanisierung durch Dampf-/Wasserkraft, 2. Massenfertigung durch Fließbänder und Elektrizität, 3. Automatisierung durch Elektronik und IT) haben die Produktionsmechanismen bedeutend verändert. Nun stehen wir vor einer neuen industriellen Revolution, geprägt durch die Vernetzung einzelner Produktionskomponenten. Die Möglichkeiten des Einsatzes entsprechender IT-Systeme sind vielfältig und können erst bei einer näheren Betrachtung der Sensorik, der Prozesse und auch der Unternehmenskultur definiert werden.

Hier einige Beispiele, was Applikationen der Industrie 4.0 können:

  • Monitoring bestehender Systeme
  • Management von Alarm-Meldungen (Eskalationsstufen)
  • Abbildung von Geschäftsprozessen (Verantwortlichkeiten, Aufgaben-Management)
  • Device-Management (z.B. GPS-Ortung von beweglichen Maschinen)
  • Automatisierung von Kooperationsprozessen verbundener Maschinen
  • Einschränkung von Fehlerquellen/Manipulationen durch rollenbeschränkte Funktionen

Diese Beispiele zeigen bereits, dass es nicht nur eine Industrie 4.0 Anwendung gibt, sondern viele.

Die folgende Grafik aus einer Studie des Branchenverbands Bitkom und des Fraunhofer-Instituts zum volkswirtschaftlichen Potential der Industrie 4.0 für Deutschland zeigt, dass die Steigerung der Wertschöpfung durch den Einsatz entsprechender Systeme in den unterschiedlichsten Branchen erwartet wird:

Studie „Industrie 4.0 – Volkswirtschaftliches Potenzial für Deutschland“

Quelle: Studie „Industrie 4.0 – Volkswirtschaftliches Potenzial für Deutschland“; BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V., Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Die Bundesregierung hat die Initiative „Plattform Industrie 4.0“ ins Leben gerufen, um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu sichern. Im Rahmen dieser Initiative wird auch eine Referenzarchitektur entwickelt, die einen Konsens diverser Industriebranchen und der Wirtschaft bezüglich der Umsetzungsstrategie darstellt (Standards, technische Anforderungen, Sicherheit, etc.).

Die vierte industrielle Revolution ist bereits im vollen Gange und jedes Unternehmen sollte die dadurch entstehenden Möglichkeiten nutzen um seinen Wertschöpfungs-Prozess zu steigern – egal, welcher Branche das Unternehmen angehört.